Der Beruf Mathematiker

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Margarita90 Auf diesen Beitrag antworten »
Der Beruf Mathematiker
Hallo,
ich bin gerade ziemlich ratlos und hoffe, dass ich das Matheboard auch mal für eine nicht so ganz mathematische Frage benutzen darf.
Ich studiere im 3. Semester Mathematik auf Bachelor und weiß nicht, ob ich diesen Weg weitergehen soll, oder vl doch aufs Lehramt umschwenken sollte. Ich habe auch shcon mit vielen Leuten gesprochen, aber die kamen meist von der Lehrerseite. Was mir wirklich fehlt ist mal eine Einschätzung von jemandem, der Mathematiker ist. Egal in welchem Bereich: Mir fehlt einfach mal eine genaue Vorstellung davon, was in diesem Beruf auf einen zukommen kann.
Was mich besonders abschreckt, ist der Gedanke, den ganzen Tag vor und mit dem Computer zu verbringen. Er gehört dazu, aber ich möchte nicht in die Programmierrichtung gehen.
Also an alle, die nicht in die Programmierrichtung gegangen sind: Ich interessiere mich sehr für eure Erfahrungen - was macht ihr? Welchen Bezug hat dies zum Studium? Habt ihr Freude an eurer Arbeit? etc...

Es wäre wirklich nett, wenn sich hier ein paar Leute äußern würden, es belastet mich wirklich sehr, nicht zu wissen, was ich will. Noch dazu muss ich mich bis Ende der Woche entschieden haben.... traurig

Danke und liebe Grüße,
Margarita
N. Bourbaki Auf diesen Beitrag antworten »
RE: Der Beruf Mathematiker
Zu meiner Zeit wurde zwischen Diplom und Lehramt unterschieden was aber wohl auf die gleiche Frage hinausläuft.

Zunächst mal ist festzustellen, dass sich das Mathematikstudium gerade dadurch auszeichnet, dass Du Dich, was Deinen späteren beruflichen Werdegang angeht, in keinster Weise festlegst sondern im Gegenteil relativ weit gefächerte Möglichkeiten hast. Z.B. bei Juristen, Medizinern, Architekten, etc. sieht das eher anders aus.

Ich kenne einige die im Versicherungsbereich (Aktuar o.ä.) tatsächlich noch mit Mathematik zu tun haben. Das ist aber eher die Ausnahme. Das erfolgreich absolvierte Mathematikstudium dient aus meiner Sicht in erster Linie als Eintrittskarte - das erworbene Fachwissen ist dann meistens nicht so richtig relevant.

Z.B. bei Unternehmensberatungen, im Vertrieb von Enterprise-Software, bei Banken (Risk-Management, Devisen/Optionshandel) oder in der EDV größerer Industriebetriebe sind die meisten meiner Kommilitonen gelandet.
 
 
muse Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Ich kenne einige die im Versicherungsbereich (Aktuar o.ä.) tatsächlich noch mit Mathematik zu tun haben. Das ist aber eher die Ausnahme.

unglücklich Das finde ich echt schade! Ich bin zwar noch Schüler, aber für jmd. der sich richtig für Mathe interessiert, ist das doof zu hören.
Wäre es nicht geschickter in den Bereich Physik bzw. generell Naturwissenschaften zu gehen, wenn man mit Mathematik zu tun haben will, da soll wohl am meisten Mathe vorkommen?
tmo Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von muse
Wäre es nicht geschickter in den Bereich Physik bzw. generell Naturwissenschaften zu gehen, wenn man mit Mathematik zu tun haben will, da soll wohl am meisten Mathe vorkommen?


Klingt hart, ist aber meiner Meinung nach so: Ganz klares Nein. Wenn man sich wirklich für Mathematik interessiert, sind Naturwissenschaften (inkl. Physik) zumindest als Hauptfach nicht geeignet, da wird die Mathematik nur vergewaltigt (so à la: Ach ja, und das mit dieser Reihe und den Ableitungen und Fakultäten geht übrigens bei jeder unendlich oft differenzierbaren Funktion Hammer ). Noch schlimmer, es gibt nicht selten Physiker, die Mathematiker verspotten als Leute, die alles beweisen, was sowieso jedem klar ist, also ihre Zeit verschwenden.

Nicht, dass damit Physiker oder Naturwissenschaftler irgendwie von minderem Wert wären, es hat ja auch ein Grund, warum sie nicht so tief in die Mathematik eintauchen: Sie brauchen es nicht. Es reicht halt, wenn die denken, jede unendlich oft differenzierbare Funktion hat eine Taylorreihe, die gegen die Funktion konvergiert. Ist ja auch völlig ok. Aber wenn man halt was von Mathematik verstehen will, kann man es nunmal dabei nicht belassen.

Man wird als Physiker zwar viele mathematische Methoden (teilweise auch sehr sehr komplizierte) kennen lernen und anwenden, die meisten davon bestimmt auch verstehen und sogar lernen Beweise zu führen. Aber solch ein tiefes Verständnis, welches man im Mathematikstudium erlangen kann (sofern man dazu bereit ist, sich wirklich in die Sache zu vertiefen), wird dir als Naturwissenschaftler immer verschlossen bleiben. Außer natürlich du beschäftigst dich privat noch mit Mathematik, aber so ein Selbststudium ist natürlich nicht gerade Jedermanns Sache und birgt auch die Gefahr, dass man denkt, man hätte alles verstanden, hat aber in Wirklichkeit nichts kapiert Big Laugh

Zum ursprünglichen Thema: Ich kann (siehe mein Alter) selbst nicht aus eigener Erfahrung reden, sondern nur aus Erfahrungsberichten, aber die decken sich soweit mit dem, was N. Bourbaki gesagt hat.
Wer nach dem Mathestudium beruflich noch was mit Mathematik zu tun haben will, muss wohl an der Uni bleiben (Dozent, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Prof, was auch immer...)
Ehos Auf diesen Beitrag antworten »

@Margarita90
Sei dir darüber im Klaren, dass ein Mathematikstudium sehr abstrakt ist und fast nichts nichts mit dem Lösen praktischer Probleme zu tun hat. Das hat schon viele Studenten, die in der Schule immer eine Mathe-Eins hatten, geschockt.

Die Mathematiker beschäftigen sich z.B. damit, ob eine Funktion 3 mal oder 4 Mal differenzierbar sein muss usw. Beim Berechnen praktischer Probleme ist das aber meist egal. Ich will das nicht abwerten. Wer sich dafür interessiert - ok. Ich bin jedenfalls froh, dass ich keine Mathematik studiert habe, sondern Physik.

Es ist schade, dass sich Physiker und Mathematiker so weit entfernt haben. Die Physiker haben für die "Erbesenzählerei" der Mathematiker wenig Verständnis. Und die Mathematiker zeigen oft keinerlei Interesse für die Probleme aus der Praxis. Schade.
Margarita90 Auf diesen Beitrag antworten »

Erstmal danke, dass irh euch beteiligt habt, aber das hat mir ehrlich gesagt noch nicht so ganz geholfen.
Ich hatte gehofft, dass sich mal jemand meldet, der mit seinem Studium fertig ist und schon in die Arbeitswelt eingetaucht ist. Mich interessiert, was er den lieben langen Tag konkret macht...

LG
Airblader Auf diesen Beitrag antworten »

Diese Antwort gibt es pauschal für Mathematiker nicht, denn Mathematiker sitzen nahezu überall. Oder beziehst du dich nun insbesondere auf den (sehr kleinen) Teil der Mathematiker, die in die mathematische oder naturwissenschaftliche Forschung gehen?

air
Margarita90 Auf diesen Beitrag antworten »

Nein, ich meine nicht diesen kleinen Teil und ich will auch gar keine pauschale Antwort, sondern einen Erfahrungsbericht, also ruhig was Individuelles. Es geht mir darum, dass mir mal jemand genau erklärt, was er so macht im Gegensatz zu diesen alleszusammenfassendes Phrasen, die man im Internet so findet, unter denen ich mir aber nichts richtiges vorstellen kann...
lgrizu Auf diesen Beitrag antworten »

ich habe zwei bekannte, die mathematik studiert haben, einer arbeitet bei einem kleinen softwareunternehmen in hamburg in der codierung und kryptographie.

der andere arbeitet bei einem turbinenhersteller, dort arbeitet er in einem team von zwei physikern, einem mathematiker und mehreren ingeneuren an der leistungssteigerung und entwicklung neuer triebwerke.

beide jobs finden in 70-80% der arbeitszeit vor dem rechner statt.

aber keine panik, besonders schnell tippen können muss man nicht Augenzwinkern

ich selbst bin gerade dabei, mich in der industriemaschinenproduktion umzuschauen, bei VW und Airbus und einigen anderen unternehmen, im besonderen in der elektroindustrie, habe aber auch eine stelle an einer medizinischen hochschule in betracht gezogen.

mein "problem" ist, dass ich nach dem grundstudium nichts aus dem bereich analysis mehr gehört habe, algebraische zahlentheorie, algebraische geometrie, boolesche algebren, newman algebra, diskrete mathematik, codierungstheorie und ein wenig angewandte mathematik, hauptsächlich im bereich differentialgleichungen und stochastik, stochastik macht mir aber nicht besonders viel spaß....

ich habe, da meine diplomarbeit über boolesche algebren und newman algebren handelt eigentlich auch vor, in dem bereich zu bleiben, also elektroindustrie...

du siehst, es gibt auch einige bereiche, wo man noch mathematik betreibt, aber da arbeitet man tatsächlich häufig am PC......
papahuhn Auf diesen Beitrag antworten »

Ich kenne zwei Mathematiker. Der eine arbeitet bei einer Versicherung, und hat wohl mit Risikoanalyse zu tun. Der andere ist bei einer bekannten Unternehmens- und Strategieberatungsgesellschaft tätig.
Booker Auf diesen Beitrag antworten »

Ich habe auch erfolgreich Mathe studiert und bin jetzt den lieben langen Tag für eine Autobilzulieferfirma am C++ programmieren. Hat nicht mehr so wahnsinnig viel mit Mathe zu tun...
Evelyn89 Auf diesen Beitrag antworten »

Klingt irgendwie nicht gerade glücklich.... unglücklich

@Ehos: Da muss ich dir unbedingt Recht geben.
Ich denke, wenn Naturwissenschaftler und Mathematiker mehr zusammen arbeiten würden (u.a. bei praktischen Problemen) würden, gäbe es auch mehr in dem Bereich zu tun.
mathe760 Auf diesen Beitrag antworten »

Hallo,

ich dachte mir, wenn schon diese Diskussion entstanden ist, dann frage ich doch gleich mal nach, was mir schon sehr lange auf der Zunge liegt:

Gibt es eine reele Chance nach dem Mathestudium (mit Nebenfach Physik) in Deutschland direkt in die mathematische Forschung zu gehen? Oder MUSS ich dann tatsächlich auswandern nach Amerika o.ä.?

Ich bin mir wirklich sehr sicher das ich später reine Mathematik betreiben möchte, weil die mathematik für mich wirklich Spaß, Freude, Liebe und Wissen bedeutet!
Ich würde dafür alles nötige tun.



Bis denn mathe760 Wink
MI Auf diesen Beitrag antworten »

Zum Thema Mathematiker und Physiker:

Das ist doch ziemlich pauschalisiert. Erstens gibt es die mathematische Physik - da arbeiten sowohl Mathematiker, als auch Physiker einträchtig nebeneinander.
Und zweitens gibt es tatsächlich (immer noch) viele fruchtbaren gegenseitigen Einflüsse.
Gerade im Bereich der statistischen Physik tummeln sich sodann auch viele Mathematiker. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe, die am liebsten jede Anwendung abschaffen würde, aber das auf die Allgemeinheit zu beziehen halte ich für gefährlich.
(Aber Achtung für den Threadsteller: Auch hier gibt's ziemlich viel Computerarbeit, die theoretische Physik besteht in Teilen nur noch aus Computerarbeit).

Zum Thema wissenschaftliche Karriere:
Post-Doc-Stellen gibt es auch in Deutschland und über die Juniorprofessur soll derzeit ein System geschaffen werden, was es deutschen Forschern erleichtert, eine Professur zu bekommen. Eine wissenschaftliche Karriere ist IMMER auch in Deutschland möglich gewesen (wenn man gut ist, reist man aber trotzdem durch die Welt) - der Umweg über die USA ist nur deswegen beliebt, weil er bestimmte Dinge beschleunigt (so kann zum Beispiel die Habilitation manchmal umgangen werden).

Gruß
MI
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