Verständnisproblem: Grenzwert einer Funktion

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Tarnfara Auf diesen Beitrag antworten »
Verständnisproblem: Grenzwert einer Funktion
Hauptdefinition:
Seien X, Y metrische Räume, eine Funktion, ein Häufungspunkt von X.

Wir schreiben dann: für alle Folgen mit

1. für alle n,

2. für alle n und

3.


Mir sind hier zwei Sachen nicht klar:
1) Warum dürfen die x_n das a nicht annehmen ?
2) Wie kann a denn überhaupt nicht Häufungspunkt von X sein ? Dies würde ja bedeuten, dass es eine offene Umgebung von a gibt, mit , da verstehe ich einfach nicht, wie ein einzelner Punkt eine offene Umgebung sein kann, denn jede Umgebung, die mehr als a enthält, hat ja einen nichtleeren Schnitt mit dem Raum ohne diesen Punkt ?!

Für Aufklärung wäre ich sehr dankbar. Ich war schon einmal beim Prof, habe aber seine Antwort nicht verstanden.

Grüße
Tarnfara Auf diesen Beitrag antworten »
RE: Verständnisproblem: Grenzwert einer Funktion
Okay, warum die x_n das a nicht annehmen dürfen ist jetzt klar.

Denn ich will ja auf Stetigkeit hinaus und die könnte ich hieraus aufbauend nicht sinnvoll definieren, wenn das a zugelassen wäre, da sonst für die konstante Folge, (a,a,a,a,...) der Grenzwert der Bilder immer der Funktionswert an der Stelle wäre.

Aber das andere Problem bleibt ungelöst. :-(
gonnabphd Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
1) Warum dürfen die x_n das a nicht annehmen ?


Ich würde mal behaupten, das ist einfach, um Trivialitäten aus dem Weg zu gehen. Könnte man jedoch auch einfach weglassen (damit erhöht man ja nur die Anzahl der möglichen Folgen).


Zitat:
2) Wie kann a denn überhaupt nicht Häufungspunkt von X sein ?


Wenn a ein isolierter Punkt ist. z.B. . Hier ist a=2 kein HFP. Wahrscheinlich gibt es noch Beispiel anderer Art.
wisili Auf diesen Beitrag antworten »
RE: Verständnisproblem: Grenzwert einer Funktion
Schau mal hier.

(Hinweis:

Zitat:
Original von Tarnfara
Wir schreiben dann:


hat einen Schreibfehler: x statt n.)
Tarnfara Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von gonnabphd
Zitat:
1) Warum dürfen die x_n das a nicht annehmen ?


Ich würde mal behaupten, das ist einfach, um Trivialitäten aus dem Weg zu gehen. Könnte man jedoch auch einfach weglassen (damit erhöht man ja nur die Anzahl der möglichen Folgen).

Nein kann, man nicht. Denn damit macht man sich den Sinn dieser Definition kaputt.

Betrachte:

Lässt man den Punkt a = 1 zu, dann ist für



Zitat:

Wenn a ein isolierter Punkt ist. z.B. . Hier ist a=2 kein HFP. Wahrscheinlich gibt es noch Beispiel anderer Art.


Das ist auch kein Gegenbeispiel, denn ist ja der gesamte Raum, das heißt doch insbesondere, dass meine Umgebung eine Teilmenge dieses Raums sein muss (Wo soll sie sonst herkommen ?). Es gibt aber bzgl Standardmetrik (DANKE !! Wisili) keine Umgebung von a, deren Schnitt mit [0,1] leer ist. Die einzige e-Kugel, die's tut, ist der gesamte Raum, also deine Menge selbst. (In der Definition ist ja nicht von Teilmengen die Rede)

[Edit2] Ich glaube, ich versteh's noch immer nicht so wirklich. Also den letzten Teil hier: Wenn ich jetzt betrachte. Dann sind alle Punkte in dieser Kugel = 2, aber die Kugel ist trotzdem offen ? *verwirrt*

Liebe Grüße
saz Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von Tarnfara
Zitat:
Original von gonnabphd
Zitat:
1) Warum dürfen die x_n das a nicht annehmen ?


Ich würde mal behaupten, das ist einfach, um Trivialitäten aus dem Weg zu gehen. Könnte man jedoch auch einfach weglassen (damit erhöht man ja nur die Anzahl der möglichen Folgen).

Nein kann, man nicht. Denn damit macht man sich den Sinn dieser Definition kaputt.

Betrachte:

Lässt man den Punkt a = 1 zu, dann ist für



gonnabphd hat durchaus recht, man kann diese Bedingung weglassen. Denn du musst dir klar machen: Diese Konvergenz soll für jede beliebige Folge (die 1-3 erfüllt) gelten! Nicht für eine speziell ausgewählte. Insofern ist dein Gegenbeispiel falsch, denn du hast zwar eine Folge angegeben, die zur behaupteten Konvergenz führt, aber deshalb gilt dies noch lange nicht für jede beliebige Folge, die gegen 1 konvergiert.
 
 
system-agent Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von gonnabphd
Zitat:
1) Warum dürfen die x_n das a nicht annehmen ?


Ich würde mal behaupten, das ist einfach, um Trivialitäten aus dem Weg zu gehen.


Nein, nicht um Trivialitäten zu vermeiden, sondern so kann man auch den Grenzwert einer Funktion an einer Stelle definieren, an der die Funktion nicht definiert ist.
Tarnfara Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von saz
gonnabphd hat durchaus recht, man kann diese Bedingung weglassen. Denn du musst dir klar machen: Diese Konvergenz soll für jede beliebige Folge (die 1-3 erfüllt) gelten! Nicht für eine speziell ausgewählte. Insofern ist dein Gegenbeispiel falsch, denn du hast zwar eine Folge angegeben, die zur behaupteten Konvergenz führt, aber deshalb gilt dies noch lange nicht für jede beliebige Folge, die gegen 1 konvergiert.


Na, das war mir schon klar. Und das meint er wohl damit, dass man dann einfach "mehr" zu untersuchende Folgen hat.
Aber ich definiere mir den Grenzwert ja so, damit ich irgendwann mal einen vernünftigen Begriff habe, auf dem ich die Stetigkeit einer Funktion aufbauen kann. Und insbesondere bei nicht stetigen Funktionen wäre nicht mehr so ohne weiteres klärbar, ob die Unstetigkeitsstelle hebbar ist oder nicht.

Also was ich meine, ist:


Nach dem obigen Grenzwertbegriff, wäre dann .

Lässt man (a_n) = (0,0,0,0,...) zu, dann existiert eine Folge, für die gilt: und somit existierte der Grenzwert nicht.

Aber ob die x_n wirklich für gar kein n a annehmen oder bloß für endlich viele müßte wirklich gar keinen Unterschied machen oder ?

[edit] So, jetzt hab ich noch system-agent gelesen und bin schon wieder verunsichert. Ich denk erstmal weiter drüber nach.

Die Definition sieht doch so harmlos aus. unglücklich
gonnabphd Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Also was ich meine, ist:


Nach dem obigen Grenzwertbegriff, wäre dann .


Ja, genau. Das ist ein sehr guter Einwand. Und damit hast du mich auch umgestimmt, dass es einen "tieferen Sinn" (als nur Trivialitäten) hinter diesem Teil der Definition gibt. Sehr schön!


Zitat:
Original von system-agent
Zitat:
Original von gonnabphd
Zitat:
1) Warum dürfen die x_n das a nicht annehmen ?


Ich würde mal behaupten, das ist einfach, um Trivialitäten aus dem Weg zu gehen.



Nein, nicht um Trivialitäten zu vermeiden, sondern so kann man auch den Grenzwert einer Funktion an einer Stelle definieren, an der die Funktion nicht definiert ist.


Daran hatte ich zuerst auch gedacht. Aber nach der Definition muss die Funktion am Punkt a schon definiert sein, da und .


Nachdem das geklärt ist: Zurück zu .

Offene Bälle um den Punkt 2 haben die Form: .

Also ist, wie du schon selber richtig erkannt hast, die Menge in X offen.
Andererseits ist diese Menge aber auch abgeschlossen und deshalb ist dann auch in X sowohl offen als auch abgeschlossen (als Komplement von ).


smile
Leopold Auf diesen Beitrag antworten »

Dieses Problem wurde vor einigen Jahren schon einmal im Board diskutiert. Es gibt hier zwei Schulen.

Die erste Schule betrachtet in der Definition beliebige Folgen, die gegen konvergieren. In dieser Schule gilt bei der Funktion mit



an der Stelle : Der Grenzwert existiert nicht. In dieser Schule gilt der Satz: Die Funktion ist an der Stelle stetig dann und nur dann, wenn sie bei definiert ist und ihr Grenzwert für existiert.

Die zweite Schule spart bei den betrachteten Folgen den Wert selber aus. Bei der obigen Definition existiert also der Grenzwert der Funktion für und hat den Wert . In dieser Schule gilt der Satz: Die Funktion ist an der Stelle stetig dann und nur dann, wenn ihr Grenzwert für existiert und mit dem Funktionswert übereinstimmt.

Nach meinem Eindruck hat sich in der Mathematik keine der beiden Auffassungen bisher eindeutig durchgesetzt. Ich selbst bevorzuge die erste Auffassung, gebe aber zu, daß ich im Schulunterricht mit der zweiten arbeite, weil sie mir didaktisch einfacher zu vermitteln scheint, zumal ich sowieso mit einem heuristischen Grenzwertbegriff arbeite.
wisili Auf diesen Beitrag antworten »

Das deckt sich mit Leopolds Beitrag.
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