Plagiatsfälle in der Politik [War: Karl-Theodor zu Guttenberg und andere] - Seite 5 |
| 03.03.2011, 00:15 | Math1986 | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
| 03.03.2011, 01:42 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
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| 03.03.2011, 10:17 | Mystic | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ich denke, dass eigentlich Interessante an dem Fall Guttenberg ist, wie die Menschen, unter den ja vielen Guttenberg Bewunderer waren bzw. sind, damit umgehen... Werden sie zugeben, das sie sich in ihm getäuscht haben oder werden sie ihm - und damit eigentlich sich selber und ihren alten Überzeugungen - die Treue halten? |
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| 03.03.2011, 10:31 | sulo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ich befürchte, in die letzte Kategorie werden mehr Menschen fallen, als es gut ist. Besonders Leute, die nicht wirklich gelernt haben, Dinge zu hinterfragen, werden bei der Überzeugung bleiben, dass die ganze Geschiche nur eingefädelt wurde, um den beliebtesten Politiker Deutschlands zu stürzen. In einem Radiointerview hörte ich sinngemäß: "Er war ein sehr guter Minister, er hat seine Sache sehr gut gemacht, es ist schade, dass er aufgibt. Wer hat denn nicht schon mal etwas getan, was man nicht tun sollte? Wenn man nur danach suchen würde, würde man bei jedem Politiker etwas finden, was nicht ganz in Ordnung ist." Das ist vermutlich die (von der Bild-Zeitung unterstützte bzw. geformte) Meinung vieler Menschen: 1. Wer hat denn nicht auch mal was Verbotenes getan? Also sollte man sich nicht so aufregen. 2. Die ganze Kampagne diente nur dazu, einen beliebten Politiker zu stürzen. 3. Guttenberg war ein sehr guter Minister. 4. Sein Abgang und seine Erklärung dazu zeigen, dass er trotz der Vorwürfe ein ehrenwerter Mensch ist. edit: 5. Die Kritker sind doch nur neidisch auf zu Guttenberg. Viele Leute lassen sich von einem Übermaß an Charisma leider derart blenden, dass ihre Kritikfähigkeit in der Angelegenheit KT zu einem Nichts zusammenschmilzt.
Ich habe das edit noch angefügt, weil der angebliche Neid ein häufig gebrachtes Argument der KT-Fans ist. Da hatte ich vorhin nicht dran gedacht. |
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| 03.03.2011, 10:45 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Wer hat nicht schonmal eine Bank überfallen, eine Frau vergewaltigt oder einen nervigen Nachbar abgestochen. Ist doch nix dabei. Ach halt, aber dann kommt ja gleich das Gegenargument, sowas könne man ja nicht miteinander vergleichen. Was die Leute mE meist nicht fertig bekommen ist der Wechsel des Blickwinkels. Solange sie selber keinen Schaden davontragen, sondern nur andere, ist das für sie alle halb so schlimm. Wenn es dann aber um sie geht, und wenns dann nur ein paar Euro sind, dann ist der andere gleich das größte ***** der Welt. Und ich als hoffentlich zukünftiger Akademiker fühle mich hier definitiv schlichtweg betrogen, denn ich und zigtausend andere Studenten arbeiten vernünftig auf solche Abschlüsse hin, um eine spätere Karriere aufzubauen. Und wer das System derartig hintergeht um sich einen akademischen Grad zu erschleichen, der ist für mich gar keinen akademischen Grades würdig - für mich sollte hier sogar der Abschluss i.A. entzogen werden*. Ich greife nochmal das Beispiel des tödlichen Unfalls bei mir um die Ecke neulich auf: Der Typ ist auf einen LKW aufgesprungen und 800m weiter runtergefallen und vom Anhänger überrollt worden. Jetzt weinen ihm alle nach und wehe denen, die was anderes sagen. So auch meine Schwester. Wäre sie da jetzt aber mit ihrem Kind gelaufen und der Fahrer hätte den blinden Passagier bemerkt, vor Schreck kurz die Kontrolle verloren und ihren Sohn über den Haufen gefahren, dann wäre der tote Jugendliche sicher kein "armes Bürschchen", sondern wieder das große *****, das ihren Sohn getötet hat. Und das ist nur ein Szenario von vielen. Und ich finds traurig, dass Menschen nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, den geringsten Perspektivenwechsel zu vollziehen.
Auf gehts, BILD. Bis zur totalen Verblödung - und darüber hinaus! air *) Sicher schreibt jeder mal eine Hausaufgabe ab oder so. Aber wir sprechen hier nicht von Kleinigkeiten. Über sowas könnte ich hinwegsehen. Wir sprechen hier von systematischem Betrug und dem Erschleichen des Doktortitels. |
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| 03.03.2011, 11:11 | kurellajunior | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Zum Nachdenken: Ziehst Du hier diese Grenze nicht vollkommen willkürlich? Und ziehst Du sie nicht gerade deshalb, weil Du einem Doktortitel soviel Gewicht beimisst? Deiner eigenen Argumentation nach, stehst Du in der Perspektive des Betroffenen - und daher ist Herr Guttenberg ein ****. Aus Spaß folge Deinem eigenen Vorschlag und unternehme einen Perspektivwechsel in die Perspektive der großen Mehrheit, der ein Doktortitel am Popo vorbeigeht: Für diese Menschen ist der Unterschied zwischen einer Klausur mit Spicker und einer Doktorarbeit mit Abschriften marginal, oder? Hat ein Doktortitel tatsächlich diesen gesellschaftlichen Wert den Du ihm als (angehender) Akademiker unterstellst? Oder ist dieser Wert doch recht subjektiv... Die Menschen, die behaupten man könne einen Bankraub nicht mit der Aneignung fremden Wissens vergleichen sehen ziehen ihre Grenze einfach nur anderswo. Ansonsten unterscheidet sich deren Logik nicht von Deiner! Jan |
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| 03.03.2011, 11:34 | Iorek | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Radiointerview mit einer Guttenberganhängerin |
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| 03.03.2011, 11:42 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
@ kurellajunior Was eventuell missverständlich war: Ich setze das Erschleichen des Doktortitels definitiv nicht auf eine Stufe mit Vergewaltigung, Mord etc. - im Gegenteil, ich wollte gerade auf die Subjektivität der "Grenzen" bzw. auf die Relativität hinaus, die du nun ansprichst. Der Punkt ist der, dass nicht nur Mord und Vergewaltigung, sondern eben auch der Betrug am Doktortitel verboten ist. Es ist unerheblich, ob oder was davon nun schlimmer als das andere ist. Keiner würde Mord und Vergewaltigung marginalisieren und sagen "Dann hat Politiker XYZ halt eine Frau vergewaltigt, mit dem Amt des ABC-Ministers hat das ja nichts zu tun!". Und ebensowenig sollte man diese Tat marginalisieren. Das bedeutet nun nicht unmittelbar, dass man als Minister dann zurückzutreten hat. Darüber lässt sich sicher streiten. Meine persönliche Meinung hierzu ist die, dass Guttenberg deutlich gezeigt hat, wie er die Wissenschaft mit Füßen tritt, daher der Einstufung als Akademiker (nicht nur als "Doktor") nicht würdig ist und ob der Doktortitel nun einen Einfluss auf seine Karriere hatte oder nicht - sein Studium i.A. hatte ganz sicher Einfluss darauf. Hinzu kommt, dass Politiker ein Lad vertreten und der gängigen Auffassung, Politiker seien sowieso alles Lügner und Betrüger, hin oder her, ein Politiker ist eine öffentliche Person und hat sich selbst für "fachfremde" Taten auch politisch zu verantworten. So hat eine Vergewaltigung nichts damit zu tun, ob man ein guter Politiker ist oder nicht, aber als Repräsentant des Landes sollte man m.E. so nichtmehr auftreten dürfen. Daher ist für mich der Rücktritt die einzige logische Konsequenz aus dieser ganzen Affäre. Das mag von seinen Gegnern sicher eine Hetzjagd gewesen sein, aber das tut hier nichts zur Sache, denn die Anschuldigungen sind ja nunmal wahr. Mehr als wahr. Dazu kommt, dass er es anfangs noch dementierte. Und dazu kann ich wirklich nur Volker Pispers (mit leicht aufgeräumten Text) zitieren:
Was nun das "gelegentliche Abschreiben" angeht: Ich verstehe zwar durchaus, was du meinst, aber natürlich kann man wie immer alles bis ins Unendliche relativieren. Die Frage ist eher, ob es überhaupt eine nennenswerte Anzahl von Menschen gibt, die einer der Aufgaben des wöchentlichen Aufgabenblatts im zweiten Semester mehr oder zumindest gleichviel Bedeutung wie einem Doktortitel beimisst. Zudem unterzeichne ich bei den wöchtenlichen Aufgaben sicher nicht jedes Mal eine Erklärung, dass ich sie selbstständig angefertigt habe. Ich möchte nicht sagen, dass das gelegentliche Abschreiben "korrekt" ist, es ist und bleibt ebenfalls ein "Vergehen". Aber auch nur in Betracht zu ziehen, dass es irgendwo in der Nähe vom Erstellen einer Doktorarbeit durch Anfertigen einer literarischen Collage liegen würde finde ich schon nahezu lächerlich. Wer einem Doktortitel nicht viel Wert beimisst, der misst dem gelegentlichen Abschreiben sicherlich noch weitaus weniger Wert bei. Hinzu kommt, dass die wöchentlichen Abgaben eher zum Lernprozess gehören. Ich kann abschreiben und es mir trotzdem anschauen und dazulernen. Die Dissertation hingegen ist eine Abschlussarbeit, die sicher auch noch das konkrete Ziel hat, das Schreiben eines wissenschaftlichen Werkes zu üben, das aber vor allem als Bewertung dienen soll. In diesem Sinne ist es weniger mit dem Aufgabenblatt, als eher mit einer Prüfung zu vergleichen. Und auch hier gelten ja recht harte Maßnahmen, die von Universität zu Universität sicher verschieden sind, aber im Großen und Ganzen scheint man sich einig zu ein, dass zwischen "mal abschreiben" und "Betrug in einer Prüfung" Welten liegen. Diese Grenze mag willkürzlich, aber eben doch recht einheitlich sein. Und das ist das, worauf es ankommt. Das StGb ist ja auch "willkürlich", aber man hat sich eben darauf geeinigt. Zum Schluss möchte ich noch auf eine Einzelheit eingehen:
Ist der gesellschaftliche Wert überhaupt von Interesse? Akademisch gesehen gibt es eine klare Rangordnung und hier nimmt der Doktortitel eine der höchsten Positionen ein. Tut mir leid, dass die Antwort etwas länger wurde, aber dein Punkt war durchaus gut und ich hatte absolut mit ihm gerechnet; ich wollte ihm lediglich ausführlich entgegentreten.
air |
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| 03.03.2011, 11:48 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Boah ... air |
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| 03.03.2011, 13:22 | Mystic | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Der Kollateralschaden von Guttenberg's Fall für die Politik ist jedenfalls beträchlich, auch und vor allem für die Kanzlerin... In diesem Spiegel-Artikel, der auch einige recht gute grundsätzliche Betrachtungen zur Politik enthält, wird sie gar schon mit der Cheshire Katze aus "Alice in Wonderland" verglichen... @sulo Ja, ich teile voll und ganz deine Befürchtungen... Du hast das ganz ausgezeichnet noch weiter ausgeführt, was ich eigentlich sagen wollte...
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| 03.03.2011, 17:50 | tmo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Wow, solch ein Phänomen, der Guttenberg. Die Nazis haben, um solche Jünger zu bekommen, eine ganzes Ministerium für Propaganda beschäftigt. Der Kerl macht das einfach mal so nebenbei und das noch nichtmal absichtlich, er kann gar nichts dafür. Wie man sich blenden lassen kann... |
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| 03.03.2011, 18:23 | Cordovan | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
@Iorek Danke für den Link! Echt fantastisch, das Interview. Es lässt wirklich tief blicken, wenn man mal die "Umfrage"-Ergebnisse von BILD anschaut und sich überlegt, wer da alles mit abstimmt. Cordovan |
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| 03.03.2011, 18:38 | lgrizu | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
da weiß man echt nicht, wen man da zuerst verprügeln möchte, den "Reporter" oder die Anruferin......."ich bin auch ausgebildete haste nicht gesehen und trallala".... wirklich köstlich.... |
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| 03.03.2011, 18:44 | sulo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ich finde es vielmehr erschreckend und ziemlich deprimierend. Wie hohl die Leute sind...
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| 03.03.2011, 18:51 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Also zunächst: http://www.sueddeutsche.de/kultur/karl-t...arons-1.1067509 Und dann zum Radio-Interview: Wenn ich bedenke, dass solche Leute ein Wahlrecht haben, dann sieht man mal, wie sinnlos es ist. Gewählt wird, wer gut aussieht. Ist es arg schlimm, wenn ich mich mit dem Gedanken anfreunde, dass man sich in einer Demokratie das Wahlrecht erst verdienen müssen sollte?
air |
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| 03.03.2011, 18:54 | Gast11022013 | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
"Ich find das einfach jetzt doof..." Das ist doch eine fundierte Argumentation! |
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| 03.03.2011, 18:57 | Louis1991 | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Unter anderem deswegen (weil in einer Demokratie viel zu viele "Holzköpfe" über "alle" mitentscheiden) bin ich libertär. Ändern kann ich damit natürlich nichts
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| 03.03.2011, 19:10 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ach du meine ... Ich habe da ja Probleme, das bis zu Ende anzuhören.
Diese Argumentation hat ja was von "Sie wissen, dass er ein Heiratsschwindler ist?" und das Opfer möchte es nicht glauben.
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| 03.03.2011, 19:13 | Mystic | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Es ist zum Fürchten: Laut Spiegel gehen die Guttenbergfans nun auch auf die Straße... Eine Generation von politisch Unmündigen wächst heran...
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| 03.03.2011, 19:19 | Iorek | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Das ist doch nicht wahr... 500.000 können nicht irren, das meinte man auch damals vor 80 Jahren.
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| 03.03.2011, 19:28 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ah, Goodwin - schon wieder behälst du recht.
air |
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| 03.03.2011, 19:50 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ich meine nicht, dass man immer diese Karte spielen sollte. Was meine Bestürzung über die "Wir wollen KT zurück"-Hysterie aber nicht mindern soll. |
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| 03.03.2011, 19:56 | Iorek | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ich wollte damit nur die Absurdität des Arguments betonen; bloß weil 500.000 Leute in einem sozialen Netzwerk auf den "Like"button klicken, haben diese Leute nicht automatisch Recht. Ansonsten würde es auch nur 2 Tage dauern, bis man eingeführt hätte. |
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| 03.03.2011, 20:01 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Darin stimme ich dir zu, und dachte mein zweiter Teil machte das auch deutlich.
Der von Airblader verlinkte Artikel: köstlich und erschreckend.
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| 03.03.2011, 20:21 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Also wenn ich mir so die neuesten Statistiken der GuttenPlag-Wiki anschaue, dann frage ich mich schon fast, wo der gute Herr Ex-Minister da noch 1.300 echte Quellenangaben reingebracht hat. air |
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| 03.03.2011, 20:25 | Iorek | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Inwiefern das stimmt, kann ich nicht beurteilen, dazu habe ich zu wenig im GuttenPlag Wiki gelesen, aber:
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| 03.03.2011, 20:30 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Hätte er wenigstens selber geklaut, dann könnte man ihn zumindest für die umfangreiche Kopier- und Verschleierungsarbeit loben.
air |
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| 03.03.2011, 21:08 | Leopold | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Der Rücktritt von Guttenberg war überfällig. Er ist ein Hochstapler und nicht würdig, ein Ministerium zu führen. Auf der anderen Seite ist die Arroganz einiger Beiträge hier unerträglich. Ich habe mir den Radiobeitrag im Link nicht angehört, es interessiert mich nicht. Dennoch darf in Deutschland jeder frei seine Meinung sagen, und jeder Volljährige darf sein Wahlrecht ausüben. Und nur weil man dessen Meinung nicht teilt, hat man nicht das Recht, ihn für unmündig zu erklären und ihm so indirekt die Teilnahme am politischen Prozeß abzusprechen. Und die Nazikeule, mit der hier einige Leute draufschlagen, ist das Allerletzte. Ich hätte nicht übel Lust, diese Keule jetzt auf diese zurückzuschwingen, aber ich tue es nicht. Viele Leute, vor allem wenn sie nicht dem akademischen Milieu angehören, können sich nicht hineindenken, was Guttenberg da Schlimmes gemacht haben soll. Das ist für die so etwas wie Falschparken. Uns Akademikern ist natürlich bewußt, daß Guttenberg gegen elementare Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen hat, und letzten Endes hat ja dieser Verstoß auch zu seinem Rücktritt geführt. Mich ärgert es auch, daß ich bei dem Zurückgetretenen bislang keine Reue und Scham über sein Fehlverhalten verspüre. Wenn aber andere Leute anders darüber denken, versuche ich geduldig, meinen Standpunkt zu vertreten, ohne diese anderen gleich für bescheuert zu erklären. Im übrigen sollte sich jeder an die eigene Nase fassen, statt herablassend aus moralisch sicherer Warte den tugendhaft Reinen zu geben. Gerade der Fall Guttenberg(s) zeigt, wie schnell man wieder unten ist. Viele oder zumindest einige von euch haben schon einmal in einer Klassenarbeit oder bei einer Klausur abgeschrieben. Ach, das ist nicht so schlimm? Warum eigentlich nicht? Ich finde das genau so schlimm. Es ist Betrug. Man versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen, um einen persönlichen Mangel auszugleichen. Und ich kenne auch kein Pardon, wenn ich einen Schüler beim Abschreiben, sei es in einer Klassenarbeit oder beim Anfertigen einer sonstigen Arbeit, erwische. Da gibt es die Note Sechs. Aber, und das ist mir ganz wichtig, dann ist die Sache auch erledigt. Das durch den Vertrauensbruch zerstörte Verhältnis zwischen zwei Menschen ist durch die Sanktion repariert, man kann sich wieder in die Augen schauen. Es geht von vorne los. Ich habe in meinem langen Leben gelernt, daß wir Menschen fehlen, aus Neid, aus Eifersucht, aus Eitelkeit, aus Gewinnsucht, aus vielen anderen Gründen. Und Heilige waren mir immer schon besonders verdächtig. Ich konnte diesen ganzen Hype um Guttenberg nie begreifen. Vielleicht bin ich deshalb jetzt auch nicht so enttäuscht. Ich erinnere an Obama. Ich war froh, als dieser Mann zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Und ich bin es immer noch. Aber diese Heilserwartung an den Welterlöser, die viele Menschen mit ihm verbanden, die konnte ich nie teilen. Mir war klar, daß in unserer komplexen Welt ein einzelner Mann nicht alles zum Guten wenden würde. Und so bin ich auch nicht wie andere enttäuscht über seine bisherige Amtszeit, weil ich einfach nicht mehr erwartet habe. Ich bitte alle um etwas mehr Demut. Und ich wünsche jedem von euch, wenn er einmal etwas ganz Dummes tut, daß er Menschen findet, die dann noch zu ihm halten. |
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| 03.03.2011, 21:35 | Airblader | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Zum Einen möchte ich klarstellen, dass mein Wunsch, dass man sich das Wahlrecht erst verdienen müssen sollte, auch mich selber betrifft - ich würde es selber nicht mehr erhalten. Ich bin lediglich der Meinung, dass Wahlen derzeit nichts mit guter Politik, sondern mehr was mit Schönheitswettbewerben zu tun haben, wenn jeder wählen darf, selbst wenn er nichts von Politik versteht. Offenbar ist das Aussehen und das "sympatische Erscheinungsbild" des Politikers inzwischen ja schon wichtiger als den Job, den er macht. Oder aber, man schnappt irgendwo auf, dass er einen guten Job gemacht hat und plappert das brav nach - was er denn gemacht hat weiß man aber nicht (so wars im Interview, das du dir nicht angehört hast). Unter diesen Umständen ist eine Wahl in meinen Augen schlicht sinnlos. Wir könnten genauso gut eine Münze werfen*. *) Mir ist schon klar, dass es durchaus viele Wähler gibt, die auch wissen, was sie wählen - aber diese würden das Wahlrecht ja dann auch weiterhin behalten. Edit: Mir wurde gerade bewusst, dass meine Enleitung mit "Zum Einen" keinen Sinn (mehr) macht, da ich 3/4 meines ursprünglichgeschriebene Postings vor dem Abschicken wieder gelöscht hatte. Nicht irritieren lassen.
air |
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| 03.03.2011, 22:00 | sulo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Hier wird einmal beleuchtet, was die Faszination zu Guttenbergs für viele Menschen ausmacht: Tagesschau: Interview zum "System Guttenberg": "Jeder andere wäre abgestürzt" |
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| 03.03.2011, 22:10 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
@ sulo: Hatten wir im Threadverlauf sogar schon verlinkt. Erneut kann ja nicht schaden.
Schade, denn es ging darin ja um mehr als "Ihre Meinung zu Guttenberg. Nächster Anrufer".
Diese klare Linie mit Neustart finde ich sehr schön. Ich sehe nur nicht, wie sie soll auf den Fall übertragen werden? Guttenberg wurde erwischt und gab immer gerade soviel zu, wie aktuell nachgewiesen werden konnte. Seine letzte Stellungnahme interpretiere ich nicht als "Reue" ( Auch wenn er nun sein Amt los ist und sich der Justiz stellt). Vielleicht kann man das auch nicht verlangen/erwarten. Dies hat aber zur Folge, dass ich mit ihm nicht einfach wieder bei "0" beginnen kann. Es bleibt ein ungutes Gefühl.
Vielleicht hast du dir den Link nun ja doch angehört. Es ist nun die Frage, ob Leute hier "gleich" für "bescheuert" erklärt wurden. Aber was soll man von dem Aufruf zur Demonstration "pro Guttenberg" halten? |
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| 04.03.2011, 11:23 | Zellerli | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Math1986:
Nein, nein keineswegs. Zum Beispiel hat es auch diesen Herren von und zu erwischt. |
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| 04.03.2011, 15:35 | tmo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Da du im Plural sprichst, muss ich davon ausgehen, dass du u.a. auch micht meinst
und werde diesbezüglich kurz etwas klarstellen, falls das irgendjemand (Es muss ja noch nicht mal du sein) missverstanden haben sollte: Ich habe hier in keinster Weise die Nazikeule geschwungen. Ich habe Guttenberg nicht mit einem Wort unterstellt in seinem Denken und Handeln auch nur in entferntester Weise den Nazis zu ähneln. Das wäre ja auch völlig absurd. Was ich nur sagen wollte, dass seine Anhänger mich ein bisschen (natürlich nicht aus eigenen Erfahrungen, sondern aus historischen Texte/Dokumentationen) daran erinnern, wie sich viele Menschen damals verhalten haben. Der Herr Guttenberg baut offensichtlich Mist (und seine Politik davor war ja auch nicht gerade makellos), aber trotzdem gibt es sehr sehr viele Leute, die einfach völlig unreflektierend voll hinter ihm stehen und ihn in den Himmel loben. Wie ich schon sagte, ist das ja dem Herrn Guttenberg ja keinesfalls vorzuwerfen, er hat halt diese Ausstrahlung (und die Gelfrisur
), die ihm da zu Gute kommt. Ihm fliegt das halt einfach so zu. So Leute gibt's und wie ich sagte: Ein Phänomen. Und dem wollte ich damit Ausdruck verleihen, indem ich halt vom Propagandaministerium gesprochen habe um dann hervorzuheben, dass KT sowas nicht braucht (und auch gar nicht will, wie gesagt, er kann ja nichts dafür), sondern die Leute ihn ganz von allein lieben.Ich glaube in Deutsch würde man zu dieser meiner Vorgehensweise jetzt ein passendes Stilmittel angeben können, ich weiß aber nicht wie es heißt. Ob dieser Vergleich jetzt letztendlich passend ist, sei mal dahingestellt, ich bin weder Historiker noch Psychologe für Massenblendung (oder wie man das nennt), mir steht also nicht zu das final zu beurteilen. Aber trotzdem ist mir dieser Vergleich halt in den Sinn gekommen und da ist nichts Verwerfliches dabei und es ist schon gar nicht das Allerletzte. |
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| 04.03.2011, 18:12 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Da wunderlicher Weise - nach dem Rücktritt - noch stimmen abgegeben werden schließe ich die Umfrage nun. Ergebnisse auf Seite 1 und hier tigerbine: Ergebnis 1
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| 04.03.2011, 19:02 | Math1986 | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Eine "Wollt ihr Guttenberg zurück" Umfräge fände ich ganz lustig
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| 04.03.2011, 19:16 | tigerbine | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Ich habe versucht genug zu differenzieren. Wenn nicht, bitte melden. |
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| 04.03.2011, 19:58 | kurellajunior | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Danke Leopold, für Deinen ganzen Beitrag. Ich dachte schon ich bin der einzige, der das hier seltsam findet. |
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| 04.03.2011, 20:12 | Ibn Batuta | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Kann mich Leopold auch nur anschließen. Danke für den Beitrag! Ibn Batuta |
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| 04.03.2011, 20:33 | Pablo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Können wir nicht endlich mal den deckel hier drauf machen? Es ist vorbei, er ist weg... |
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| 04.03.2011, 20:38 | sulo | Auf diesen Beitrag antworten » | ||||||
Nun, die Sachlage ist ja eher, dass zu Guttenberg bis heute nicht zugegeben hat, dass er wirklich Mist gebaut hat. Auch bei der Presseerklärung zu seinem Rücktritt: Kein Wort davon, dass sein eklatantes Fehlverhalten die Ursache der ganzen Geschichte war. Stattdessen betont er seine Verantwortung für die Truppe und stellt sich als Ehrenmann dar, der nur zurücktritt, weil er nicht möchte, dass man mehr über ihn als über gefallene Soldaten redet. Das Ganze tut er dann mit einer demonstrativen Aufrichtigkeit und Noblesse, dass man tatsächlich fast vergisst, dass er es selber war, der sich sehenden Auges in den Schlamassel geritten hat. Und ja, er hat Hunderttausende, die noch zu ihm halten, vermutlich die Mehrheit der Bevölkerung und ganz gewiss seine Familie. Er ist also nicht allein. Mein Fazit: So lange zu Guttenberg nicht klar und deutlich ausspricht, was er getan hat und sich dafür entschuldigt, so lange er von verlorenem Überblick redet und anstatt von Betrug, so lange sehe ich bei ihm keine Basis für einen Neustart. |
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da weiß man echt nicht, wen man da zuerst verprügeln möchte, den "Reporter" oder die Anruferin....
), die ihm da zu Gute kommt. Ihm fliegt das halt einfach so zu. So Leute gibt's und wie ich sagte: Ein Phänomen. Und dem wollte ich damit Ausdruck verleihen, indem ich halt vom Propagandaministerium gesprochen habe um dann hervorzuheben, dass KT sowas nicht braucht (und auch gar nicht will, wie gesagt, er kann ja nichts dafür), sondern die Leute ihn ganz von allein lieben.