Übergangs-Marathon Mathematik - Seite 6

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HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Wenn stetig und bijektiv ist, ist es strikt monton.

Wenn man das als bewiesene Aussage hinnimmt, dann kürzt das die Sache natürlich ab. Augenzwinkern

Dein b) ist von der Idee her passend, enthält aber einen kleinen Konstruktionsfehler: ist zwingend ungerade, speziell gilt also , während bei dir ist. verwirrt

Ich kann es auch konkreter benennen: Bei dir ist statt .
IfindU Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von HAL 9000
Zitat:
Wenn stetig und bijektiv ist, ist es strikt monton.

Wenn man das als bewiesene Aussage hinnimmt, dann kürzt das die Sache natürlich ab. Augenzwinkern

Die kleine Anwendung des Zwischenwertsatzes sei dem geneigtem Leser überlassen Augenzwinkern

Zitat:
Original von HAL 9000
Dein b) ist von der Idee her passend, enthält aber einen kleinen Konstruktionsfehler: ist zwingend ungerade, speziell gilt also , während bei dir ist. verwirrt


Mir ist eben auch eine Kleinigkeit aufgefallen. Einfach ist die Abbildung für offene Intervalle der Form zu definieren. Bei den ganzen Zahlen muss ich vorsichtiger sein. Die Funktion kann aber nicht ungerade sein, sonst wäre gerade. Meinst du ungerade? Dort ist bei mir , was zugegeben doof ist Big Laugh

Also noch einmal:
und
mit
.

Jetzt ist und, wenn ist, ist und damit und damit . Wenn , ist und . Damit . Ich denke jetzt sieht es gut aus...
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von IfindU
Die Funktion kann aber nicht ungerade sein, sonst wäre gerade.

Lass mich mal überlegen: ist ungerade, da soll dann gerade sein? verwirrt

in die Funktionalgleichung eingesetzt ergibt .
auf angewandt ergibt .
Zusammen liefert das , also Ungeradheit, was speziell für dann ergibt.
IfindU Auf diesen Beitrag antworten »

Da meine Beispielfunktion offensichtlich ungerade ist, hatte ich wohl massiven Denkfehler Big Laugh

Edit: Ich hatte im Kopf ungerade und , und natürlich ist die Identitätsfunktion gerade! Forum Kloppe Seltsamer Denkfehler....
Leopold Auf diesen Beitrag antworten »

Die Funktionalgleichung

für alle

für eine Funktion führt zu verblüffenden Ergebnissen. Ich beginne in 1. und 2. mit ein paar notwendigen Bedingungen, die schon in vorigen Beiträgen behandelt wurden.


1. Zunächst muss eine solche Funktion umkehrbar sein.
Denn aus folgt durch Anwendung von gemäß der Funktionalgleichung , also , so daß injektiv ist.
Und zu wähle man . Dann gilt . Daher ist surjektiv. Es sei die Umkehrfunktion von .


2. Aus folgt wegen der Injektivität von :



Ebenso gilt aber, wenn man in durch substituiert: , also oder andersherum:



Führt man das zusammen, erkennt man die Ungeradheit von :




3. Man kann nach Operationen für Funktionen fragen, die die Funktionalgleichung erhalten. Wendet man auf zweimal an, bekommt man



Mit erfüllt also auch (siehe auch 2.) die Funktionalgleichung .

Eine zentrische Streckung des Graphen von mit dem Faktor und dem Ursprung als Streckzentrum führt auf die Funktion mit



Wenn für die Funktionalgleichung gilt, gilt sie auch für . Schnell nachgerechnet:




Wegen der Ungeradheit von genügt es, sich auf zu beschränken.


4. Die von IfindU und HAL angegebene Lösungsfunktion kann folgendermaßen definiert werden:



Nach rechts wird sie fortgesetzt durch



und nach links durch die Ungeradheit



Ich möchte einmal die Funktion mit



den Funktionskeim von nennen. besitzt die Umkehrfunktion



Man kann dann so schreiben:



Wenn ich das richtig sehe, kann man analog mit einem beliebigen Funktionskeim



für den man nur Bijektivität fordern muß, die folgende Definition vornehmen:



Die Funktion wird wieder nach rechts und links fortgesetzt durch





Für ein derart definiertes gilt

Ich habe das einmal mit Euklid für den Funktionskeim



zeichnen lassen. Blau ist , rot ist mit , grün ist .

[attach]56682[/attach]

Gibt es weitere Lösungen der Funktionalgleichung, die nicht den obigen Konstruktionen folgen?
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von Leopold
Gibt es weitere Lösungen der Funktionalgleichung, die nicht den obigen Konstruktionen folgen?

Eine rhetorische Frage. Ein etwas weiter greifender Ansatz, im Grundmuster aber immer noch basierend auf deiner Grundidee:

Wir betrachten die disjunkte Zerlegung , zudem dann bijektive Funktionen und definieren



Sollte ebenso klappen wie die obige spezielle Konstruktion mit den Intervallen der Länge 1. Indexmenge kann beliebig sein, auch überabzählbar. Im Extremfall sind Einermengen...


EDIT: Hmm, zu kompliziert gedacht - es reicht ja bereits die eine disjunkte Zerlegung mit bijektivem sowie

.

Die Frage ist, ob umgekehrt jede Lösungsfunktion in dieses Schema passt.

EDIT2: Ja, ist wohl so. Einer beliebigen Lösungsfunktion ordnet man dann sowie zu.
 
 
Leopold Auf diesen Beitrag antworten »

Aus dem Suneung 2023, der südkoreanischen Abschlußprüfung, die zu einem Hochschulstudium berechtigt:

Zitat:
Aufgabe 74

sei eine ganzrationale Funktion 3. Grades mit führendem Koeffizienten 1 und den folgenden Eigenschaften:







Man bestimme .

98,2 Prozent der Prüflinge seien an dieser Aufgabe gescheitert.


nach DIE ZEIT, 18. Januar 2024, gedruckte Ausgabe, Seite 15
klauss Auf diesen Beitrag antworten »

Gelöscht, da Lösung bereits in den Diskussionen eingestellt (warum nicht gleich hier?).
Ich habe den Rechenansatz zur Bestimmung der richtigen Funktion allerdings mit einigen anderen Überlegungen vorbereitet.
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Ich hatte nur die ursprüngliche Idee wiederbelebt, hier im Hauptthread nur Aufgaben bzw. vollständig durchdachte Lösungen bzw. zumindest Lösungsideen vorzutragen. Was ich heute zur Aufgabe gepostet hatte, war ja nur ein erster Teil eines möglichen Beweises.

Du kannst natürlich gern deinen Beweis bzw. Beweisskizze hier anbringen, da sie ja sicher deutlich weiter fortgeschritten ist als mein Fragment. Augenzwinkern
klauss Auf diesen Beitrag antworten »

Nun ja, von "Beweis" zu sprechen wäre doch sehr vermessen, deshalb stelle ich meinen Weg auch in den Diskussionen ein.
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Nun etwas weniger schweres als die südkoreanische Schulaufgabe - wenn man den richtigen Dreh findet:

Zitat:
Aufgabe 75

Man bestimme alle Primzahlen , so dass für alle positiven ganzen die Zahlen sämtlich nicht durch teilbar sind.
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

IfindU hatte den Schlüssel zur Lösung gefunden: Für und jede Primzahl gilt .

Begründung: Gemäß Kleinem Fermat ist für , daher existieren ganze Zahlen mit , woraus folgt



Da das eine ganze Zahl ist, folgt , was wegen der Teilerfremdheit von und 6 sofort bedeutet, damit is eine ganze Zahl und somit durch teilbar.


Bleiben nur die beiden Primzahlen und übrig, die sich allein durch erledigen. Somit gibt es gar keine Primzahlen, die den Bedingungen der Aufgabenstellung genügen.


P.S.: War in veränderter Formulierung mal eine IMO-Aufgabe (irgendwann in den 200x-Jahren), dort allerdings nur der "Opener" Aufgabe 1, was i.d.R. die einfachste der sechs Aufgaben ist. Augenzwinkern
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Aufgabe 76

sei eine reelle Polynomfunktion vom Grad , so dass .

Über alle derartigen betrachtet: Was sind der minimale und maximale Wert, den annehmen kann?
Huggy Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Aufgabe 76


Wenn man sich die Sache einfachen machen will:

[attach]58302[/attach]
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Die Werte sind richtig.

Hmm, ich hätte die Aufgabe mit 21 statt 5 stellen sollen. Oder gleich allgemein für , allerdings kenne ich da die expliziten Endformel noch nicht - da muss ich noch ein bisschen grübeln. Augenzwinkern

EDIT: Ok, hier eine Modifikation:

Zitat:
Aufgabe 76a

Für ungerade sei eine reelle Polynomfunktion vom Grad , so dass .

Über alle derartigen betrachtet: Was sind der minimale und maximale Wert, den annehmen kann?
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Aufgabe 77

Zur Bestimmung von geht HAL so vor: Er bestimmt zunächst per Partialbruchzerlegung , stellt dann die Potenzreihe



auf und rechnet deren Ableitung aus: .

Anschließend rechnet er zurück

.

Eine kurze Überschlagsrechnung zeigt jedoch .

Wo liegt HAL falsch in seinem Rechenweg und wie kann man das korrigieren, um doch noch auf den richtigen Reihenwert zu kommen?
Leopold Auf diesen Beitrag antworten »

Eine Sache, die einen wahnsinnig machen kann...

Die Reihen und haben den Konvergenzradius 1, konvergieren aber nicht mehr für (im Wesentlichen Vergleich mit der harmonischen Reihe). Damit konvergiert auch die Differenzreihe mindestens für . Sie konvergiert jedoch auch bei (im Wesentlichen Vergleich mit der Reihe über die Kehrwerte der Quadratzahlen). Allerdings ist die Differenzreihe keine Potenzreihe mehr, da mit streng monoton wachsendem Index die Exponenten nicht ebenfalls streng monoton wachsen. Die Voraussetzungen des Abelschen Grenzwertsatzes sind also nicht erfüllt.

Man kann sich so behelfen. Man betrachtet



Zerlegt man diese Reihe in zwei Potenzreihen, so konvergiert jede auch bei (im Wesentlichen Vergleich mit der Reihe über die Kehrwerte der Quadrate). Für erhält man aber genau die Reihe, deren Grenzwert man berechnen soll, weil sich die -Summanden gegenseitig wegheben. Wie HAL es vorgemacht hat, kann man Stammfunktionen bestimmen und bekommt



Für strebt der zweite Summand in der Klammer gegen 0, so daß man als Grenzwert erhält, was nach dem Abelschen Grenzwertsatz auch der Wert der Reihe bei ist.

Entsprechend auch



Die rechte Seite strebt für gegen . Wieder ist das nach dem Abelschen Grenzwertsatz auch der Wert der Reihe bei .

Jetzt noch subtrahieren:

HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Auf den Punkt getroffen: Der Abelsche Grenzwertsatz ist auch auf anwendbar, allerdings kommt dabei eine "umsortierte" Reihe der nicht absolut konvergenten Reihe mit den Gliedern bzw. heraus, wobei die Glieder in der aufsteigend sortierten Reihenfolge der -Exponenten bzw. angeordnet sind, und deren Reihenwert unterscheidet sich offenbar vom gesuchten .

Eine Alternative zu Leopolds Reparatur ist . Hier klappt der obige Weg " als geometrische Reihe ausrechnen --> Partialbruchzerlegung --> Integration" weil es mit den beiden Potenzen hier zu keiner Umsortierung der Reihe kommt (die nach wie vor für nicht absolut konvergiert).

Für mich ein schönes Beispiel, dass man wirklich alle Voraussetzungen des Abelschen Grenzwertsatzes ernst nehmen sollte, insbesondere die "richtige" Reihenfolge der Reihenglieder.

------------------------

Den Fehler oben noch etwas ausführlicher dargestellt:

Für ist eine absolut konvergente Reihe, die zu einer wirklichen Potenzreihe mit



umsortiert werden kann. Laut Abelschen Grenzwertsatz ist dann tatsächlich und das ist gleich .

Aber, und das ist der springende Punkt, das ist ein anderer Wert als .
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Aufgabe 78

Es sei die Anzahl der verschiedenen Primfaktoren in der Primfaktorzerlegung von , d.h., usw.

Man zeige, dass es für jede natürliche Zahl zwei natürliche Zahlen gibt mit sowie .

Hätte ich an sich (was das Wissen betrifft, sie lösen zu können) auch in der Schulmathematik anbringen können - aber ich will mich nicht den Klagen "zu schwer dafür" aussetzen.
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Aufgabe 79

a) Es seien eine nichtnegative ganze Zahl, eine positive irrationale Zahl, sowie . Man zeige: .

b) Man finde eine geeignete Rekursion, die die Berechnung von mit Aufwand ermöglicht.

kennzeichnet wie üblich die (untere) Gaußklammer.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ok, hat wohl keiner so richtig Lust bzw. die richtige Idee - ich fand das Problem aber ganz originell und hatte es deswegen hier eingestellt.


a) Man betrachte die Einheitsquadrate im Gitter und ziehe dort die Gerade ein. Nun zähle man diejenigen Einheitsquadrate, deren rechter oberer Randpunkt unter dieser Gerade liegen, da kommt raus. Jetzt wechseln wir die Perspektive , dann entspricht die obige Gerade der Gleichung , und die Anzahl Einheitsquadrate, deren rechter oberer Randpunkt unter der Gerade (und damit über der Geraden ) liegen ist .

Insgesamt haben wir dadurch jedes der Einheitsquadrate genau einmal erfasst (entweder unter der Gerade oder darüber), damit ist die Behauptung bewiesen. (Durch die Voraussetzung der Irrationalität wird gewährleistet, dass keiner dieser rechten oberen Eckpunkte genau auf der Geraden liegt, was essentiell für die Beweisführung ist.)


b) Wählt man sowie , dann besteht der Zusammenhang

Andererseits folgt mit sowie a) und wegen die Gleichung



bzw. dann auf umgerechnet

mit Start .

Mit ist die Argumentfolge dieser Rekursion nach oben durch eine geometrische Nullfolge beschränkt; bei Start bekommt man somit nach maximal Schritten einen Wert , d.h., .

Beispielrechnung: ergibt die Folge und damit rückwärts die Rechnung









HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Jetzt mal eine Aufgabe, die man durch "hartnäckiges Probieren" ganz gut in den Griff kriegen kann:

Zitat:
Aufgabe 80

Ausgehend von einer natürlichen Zahl führt man eine Anzahl von Schritten durch. Bei jedem einzelnen Schritt ersetzt man dabei die Ausgangszahl durch oder aber durch den zweitkleinsten Primteiler der Zahl - die letztere Möglichkeit besteht allerdings nur dann, falls mindestens zwei verschiedene Primteiler besitzt.

Sei nun die minimal benötigte Anzahl solcher Schritte, um von zu 1 zu gelangen.

Man bestimme .

Beispiel für einen Schritt ausgehend von : Entweder 69 oder 5.

Bei gibt es hingegen nur die eine Möglichkeit 63.
willyengland Auf diesen Beitrag antworten »

Und dann:
63 - 7 - 6 - 3 - 2 - 1

Habe ich das richtig verstanden?
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von willyengland
Und dann:
63 - 7 - 6 - 3 - 2 - 1

Habe ich das richtig verstanden?

Ja, das ist ein möglicher Weg. Immer dann, wenn die Zahl mindestens zwei verschiedene Primteiler hat, muss man aber nicht zwingend den Weg über den zweitkleinsten Primteiler gehen - manchmal ist auch der Weg über n-1 der kürzere - Beispiel:

55 - 11 - 10 - 5 - 4 - 3 - 2 - 1 ist länger als 55 - 54 - 3 - 2 - 1 .

Richtig ist die folgende Rekursion: sowie für die Iteration

,

dabei ist die Menge aller positiven ganzen Zahlen mit mindestens zwei verschiedenen Primteilern, und der zweitkleinste Primteiler für solche .
willyengland Auf diesen Beitrag antworten »

Ok, verstehe.
Interessante Aufgabe!
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Nach knapp einem Monat löse ich mal auf: Am Ende kommt raus . Wesentlich ist dabei die Erkenntnis , denn Zahl hat als zweitkleinsten Primfaktor ja sicher die 3, und sind offenkundig.

Basierend auf gilt damit auch für (übrigens stets mit Gleichheit für und auch auch ), und jetzt braucht man für nur noch ein geeignetes zu finden, so dass dort tatsächlich Gleichheit herrscht. Und das ist für der Fall, d.h., es ist , wovon man sich durch Betrachtung der zugehörigen Funktionswerte der Rekursion überzeugen kann.

Ist also nicht wirklich schwer gewesen, wenn man geduldig das Zahlenmaterial sichtet. Augenzwinkern
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