Wer nicht wählt, wählt Rechts - Stimmt das ?

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Arkadius2001 Auf diesen Beitrag antworten »
Wer nicht wählt, wählt Rechts - Stimmt das ?
Meine Frage:
Hallo zusammen,

jeder kennt sicherlich die Aussage - Wer nicht wählt, der wählt rechts. Mich würde mal interessieren, ob eine solche Aussage überhaupt stimmt und ob man diese mathematisch belegen oder widerlegen kann. Eigentlich wählt jeder, der nicht wählt, entweder keine oder alle Parteien. Man könnte ja auch sagen - Jeder der nicht wählt, wählt Links.

Meine Ideen:
Angenommen wir haben 80 Mio Wahlberechtigte und nur 40 Mio gehen zur Wahl. Die Stimmen der 40 Mio werden ausgewertet und prozentual auf die gewählten Parteien verteilt. Partei A bekommt 10 Mio Stimmen von 40 Mio, also 25%. Es wird dann hochgerechnet, dass 25% der Wahlberechtigten Partei A gewählt haben. Wo bleibt dann -> Man hat Rechts gewählt ?
Leopold Auf diesen Beitrag antworten »

Den Satz würde ich einfach unter der Rubrik "politische Propaganda" verbuchen. Selbstverständlich wünschen die linken Parteien, was auch immer man darunter in der jetzigen Situation verstehen mag, daß man sie wählt. Und wenn sie spüren, daß Leute, von denen sie früher gewählt wurden, unzufrieden sind und in die Wahlenthaltung flüchten könnten, was so oder so verlorene Stimmen für die linken Parteien wären, versuchen sie, diese zurückzugewinnen. Und wenn man für sich wirbt, kann man das auf positive Argumente gründen: wofür man steht, was man durchsetzen will, welche Prinzipien einen leiten; oder auch auf negative: welche Gefahren zum Beispiel drohen, wenn man die Macht an andere abgeben muß.
Solche Argumentationsmuster sind übrigens kein Kennzeichen einer politischen Richtung, sondern werden je nach Opportunität von allen Parteien herangezogen.
Diesen Thread würde ich nicht unter Stochastik verbuchen, sondern in das Off Topic verschieben. In der jetzigen aufgewühlten politischen Stimmung hat die Frage alle Voraussetzungen, zu einer hitzigen und vielleicht nicht mehr beherrschbaren Diskussion im MatheBoard zu führen. Da wird von allen ein hohes Maß an Toleranz erforderlich sein.
 
 
friggonaut Auf diesen Beitrag antworten »

Derjenige, der diesen Satz sagt, geht meines Erachtens davon aus, dass derjenige, dem er diesen Satz sagt, nicht rechts wählt. Er halt also nach Voraussetzung nur die Möglichkeit nicht zu wählen, oder nicht rechts zu wählen.
Wenn er wählt, wählt er also nicht rechts. Wählt er nicht, wählt er nicht nicht rechts, also wählt er dann rechts.
njorg Auf diesen Beitrag antworten »

In deiner Rechnung fehlt die meist geäußerte Annahme, das rechte Parteien einen treueren Wählerstamm haben. Warum? Weil jemand, der rechts ist wenig alternativen hat und zugleich auch nicht von seiner Partei enttäuscht werden konnte, da sie ja noch nie regiert hat. Der Anteil an Hin- und Abwanderung ist also bei rechten Parteien prozentual gesehen kleiner als bei großen Parteien.
Und jetzt wird ein Schuh draus: wenn die Wahlbeteiligung sinkt, die rechten Wähler aber wie immer zur Wahl gehen, dann verbessert sich ihr Ergebnis in Bezug auf die abgegebenen Stimmen.

Es stellt sich die Frage inwieweit die Annahme zutrifft. Bei der Bundestagswahl ist kein wirklicher Effekt zu beobachten. Bei den Landtagswahlen in MV allerdings ist schon auffällig, dass der krasse Einschnitt in der Wahlbeteiligung (11% weniger) mit einem erstarken der NPD einhergeht. In Sachsen wiederum hatte sich 2004, als die NPD mit 9,2% in den Landtag einzog, die Wahlbeteiligung nicht wesentlich verändert - noch dazu verlor die NPD ebenfalls an Stimmen als die Wahlbeteiligung bei den folgenden Wahlen signifikant sank.

Das alles sagt erstmal nichts. Es gibt zu viele andere Faktoren, die den Ausgang einer Wahl bestimmen (Einwanderungszahlen, Terrorakte, das Erstarken der AfD, soziale Unsicherheit...). Als Datengrundlage bräuchte man also richtig viele Ergebnisse von tausenden von kommunal- und regional-Wahlen, um da zuverlässig was sagen zu können.

Was aber natürlich immer stimmt: wenn jemand nicht möchte, dass rechte Parteien stärker werden, dann muss er sich schon fragen lassen, warum er nicht zur Wahl geht. Denn natürlich würde seine Stimme, die offensichtlich auf keine rechte Partei fiele, rechte Parteien schwächen.
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