Factfulness und Bedeutung von H. Rosling |
| 26.06.2024, 15:24 | leoclid | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
| Factfulness und Bedeutung von H. Rosling ich poste dies in "Bücher". Bitte verschieben, falls es zu "Off-Topic" besser passen sollte. Mich interessiert eure Meinung zum Buch Factfulness von H. Rosling (✝
, O. Rosling und A. Rosling Rönnlund. Weiter interessiert mich eure Einschätzung zu den dreien in der Wissenschaft. O.R. war Medizinprofessor, O.R. hat mit Trendalyzer ein Datenvisualisierungsprogramm entwickelt. Alle halten regelmäßig Talks, machen Studien zur verzerrten, negativen Weltwahrnehmung (gapminder), gelten als Statistiker, B. Obama und B. Gates lobten ihr Buch. Ich habe aber von ihnen nur sehr wenige Publikationen mit statistischem Inhalt gefunden. Ich poste diesen Beitrag auf dem matheboard, weil mich interessiert, wie Mathematiker, insbesondere Statistiker, das Buch und das Wirken der drei genannten einschätzen. Zum Buch: Sie zeigen auf, dass die meisten Menschen ein verzerrtes Bild auf Entwicklungen in der Welt, insbesondere in den ärmeren Ländern haben. Dazu präsentieren sie dem Leser Quizfragen, die sie auch Tausenden Probanden gezeigt haben (Wie hat sich die Armut entwickelt, wie viele Menschen haben Zugang zu Schulbildung in den ärmsten Ländern, etc.) Sie zeigen auf, dass selbst Professoren und Politiker schlechte Entwicklungen vermuten, wo es gute Entwicklungen gab. Das ist soweit ganz interessant, allerdings habe ich trotzdem zahlreiche Kritikpunkte an dem Buch, was es für mich zu einem sehr schlechten Buch macht. 0. Ich halte die Fokussierung nur auf Fakten ohne Einordnung insgesamt (nicht nur auf das Buch bezogen) für falsch. Auch aus der gleichen Datengrundlage kann man je nach politischer und wirtschaftlicher Orientierung/Denkschule unterschiedliche Handlungsempfehlungen ableiten. Weiter habe ich ein Problem mit diesem Neuen Optimismus, der den Fokus auf die Betonung der guten Entwicklungen (Man kann es zwischen den Zeilen als: "Die beste aller möglichen Welt, No Panic oder Trickle Down) lesen. Aber beides respektiere ich, weswegen ich mich auf die Umsetzungsprobleme des Buches innerhalb dessen Zielsetzung konzentriere. 1. Die Besprechung der Statistiken ist auf einem auch für populärwissenschaftliche Bücher geringem Niveau, viele der Grafiken sind eher qualitative Skizzen. Kompliziertere Zahlenbeispiele sind sehr selten. 2. Die Auswahl der Beispiele ist entweder ungeschickt oder manipulativ (Das es auch schlechte Entwicklungen gab wird war angedeutet, aber eben weniger ausgearbeitet, Achsen- und Skalen werden ungeeignet gewählt, Beispiele so gewählt, dass sie ihre Thesen untermauern, es wird viel mit Durchschnitten gearbeitet, etc.) 3. Von wissenschaftlicher Seite ist das Buch unzureichend. Viele Kennzahlen wie HDI oder Gini-Koeffizient werden nicht diskutiert, die Bedeutung der Vermögens- zusätzlich zur Einkommensverteilung kaum betrachtet, es bleibt alles auf einem sehr oberflächlichen Niveau, wichtige Begriffe wie z.B. "Demographischer Übergang" fallen an den richtigen Stellen einfach nicht. 4. Die Analyse der Ursachen für die Falschwahrnehmung ist voll von Allgemeinplätzen. Eine für den Leser geeignete Zusammenfassung der Forschung, warum und wann wir Zusammenhänge falsch einschätzen, empirisch Untersuchungen wie Leute Medienberichte aufnehmen usw. bleibt aus. 5.Viele der Handlungsempfehlungen für einen selbst erinnern eher an Kalendersprüche ("Sehe die Mitte", "Vergleiche Kennzahlen") 6. Ich halte das Buch an vielen Stellen für infantil. Vergleiche wie "Zufällig tippende Affen beantworten mehr der Fragen zur Armut in der Welt richtig als Professoren" werden dutzenfach wiederholt. Einige Rechenbeispiele sind albern und banal "[Auf einen toten Menschen durch einen Bären gib es 1000 Artikel, auf einen Toten Menschen durch Femizid sind es nur 5]" 7. Einige der eingangs erwähnten Fragen sind unsachlich formuliert. Es wird nach Armut in den "ärmsten Ländern" gefragt, ohne diese zu definieren. Auf der Seite von gapminder findet man noch weitere solche Fragen, die ihn ähnlichen Studien von den Autoren abgefragt wurden. Da wird gerne mal nach der Anzahl der gelisteten Startups von Kamerun in irgendeiner Datenbank gefragt. Völlig abwegig, ohne zu wissen, wie viele dort denn insgesamt gerankt sind. Oder es wird gefragt ob es in Kamerun 1, 15 oder 25 Flughäfen gibt. Das waren nur einige Punkte. Mich interessiert eure Meinung zu dem Buch und zu der Bedeutung der drei in der Wissenschaft. [1]: Zum Buch: https://www.amazon.de/Factfulness-lernen-Welt-sehen-wirklich/dp/3548060412/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8 [2] Gapminder: https://www.gapminder.org/ |
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| 26.06.2024, 18:10 | Elvis | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
Bei Amazon steht ZITAT ANFANG Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist | Der Bestseller zum Erreichen einer offenen Geisteshaltung für Ansichten und Urteile, die nur auf soliden Fakten basieren Broschiert – 30. August 2019 von Hans Rosling (Autor), Anna Rosling Rönnlund (Autor), Ola Rosling (Autor), Hans Freundl (Übersetzer), & 2 mehr 4,7 4,7 von 5 Sternen 3.014 Sternebewertungen Bestseller Nr. 1 in Verschiedenes Alle Formate und Editionen anzeigen Es wird alles immer schlimmer, eine schreckliche Nachricht jagt die andere: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Es gibt immer mehr Kriege, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen. Viele Menschen tragen solche beängstigenden Bilder im Kopf. Doch sie liegen damit grundfalsch. Unser Gehirn verführt uns zu einer dramatisierenden Weltsicht, die mitnichten der Realität entspricht, wie der geniale Statistiker und Wissenschaftler Hans Rosling erklärt. Wer das Buch gelesen hat, wird • ein sicheres, auf Fakten basierendes Gerüst besitzen, um die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist • die zehn gängigsten Arten von aufgebauschten Geschichten erkennen • bessere Entscheidungen treffen können • wahre Factfulness erreichen – jene offene, neugierige und entspannte Geisteshaltung, in der Sie nur noch Ansichten teilen und Urteile fällen, die auf soliden Fakten basieren ZITAT ENDE Bei den von mir rot gefärbten reißerischen Schlagworten leuchten sämtliche Warnlampen auf. Für einen solchen Stuß sollte man lieber kein Geld verschwenden. Besser wäre es, den Rat des Autors zu befolgen und die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. |
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| 26.06.2024, 20:27 | Steffen Bühler | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
Wiki sagt:
Bei Bild der Wissenschaft klingeln wiederum bei mir alle Alarmglocken.
Viele Grüße Steffen |
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| 27.06.2024, 11:28 | IfindU | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
@Steffen Wenn ich Wikipedia richtig lese ist "Bild der Wissenschaft" kein Ableger vom Axel Springer Verlag. Also keine Beziehung zur "Bild"-Zeitung. Es ist wohl eine seriöse Zeitschrift: https://de.wikipedia.org/wiki/Bild_der_Wissenschaft |
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| 27.06.2024, 12:13 | Steffen Bühler | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
Ich weiß schon, dass es nicht Springer ist. Aber hast Du mal reingeschaut? Fast so schlimm wie P.M. Wenn schon populärwissenschaftlich, dann wenigstens Spektrum der Wissenschaft. |
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| 27.06.2024, 12:51 | Elvis | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
Vor 50 oder 60 Jahren war Bild der Wissenschaft informativ und gut lesbar, aber irgendwann wurde es sehr werbeorientiert, oberflächlich und postfaktisch. In einem Sonderheft von Spektrum der Wissenschaft zum Thema Quantenphysik ( vor ca. 15 Jahren) wurde nur über vermeintliche Paradoxa lamentiert. Sehr viel mehr kann man aus Lehrbüchern über Quantenmechanik, Quantenelektrodynamik, Quantenchronodynamik, Quantenfeldtheorie und aus Büchern zur Philosophie der Quantenphysik z.B. von Nils Bohr, Erwin Schrödinger, Werner Heisenberg und Wolfgang Pauli lernen. |
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| 27.06.2024, 18:29 | IfindU | Auf diesen Beitrag antworten » | ||
Dann will ich nichts gesagt haben. Dann war es bloss meine erste Assoziation ... unglaublich wie das eine Wort "Bild" bei mir alles ins unlesbare abwertet. |
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, O. Rosling und A. Rosling Rönnlund. Weiter interessiert mich eure Einschätzung zu den dreien in der Wissenschaft. O.R. war Medizinprofessor, O.R. hat mit Trendalyzer ein Datenvisualisierungsprogramm entwickelt. Alle halten regelmäßig Talks, machen Studien zur verzerrten, negativen Weltwahrnehmung (gapminder), gelten als Statistiker, B. Obama und B. Gates lobten ihr Buch. Ich habe aber von ihnen nur sehr wenige Publikationen mit statistischem Inhalt gefunden.