Numerale Phantasie-Welten

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Conny_1729 Auf diesen Beitrag antworten »
Numerale Phantasie-Welten
Zitat:
Hier mal zur allgemeinen Entspannung eine kleine "Numeral Fantasy" Augenzwinkern ,
um das gerade anstehende Sommerloch etwas auszufüllen. Auch hierfür ist absolut keine KI notwendig, noch ratsam ...

Gruß Conny



Können Mathematikbücher lügen?
Oder Physikerinnen im Jahre 2101 unterlaufen auch mal Fehler.

Man nennt mich Rylenda und ich komme aus dem brandenburgischen Templin bei Potsdam, südlich von Berlin. Und dort habe ich eine unglaubliche Geschichte erlebt.

Alles fing damit an, dass ich mich als Experimental-Physikerin schwerpunktmäßig mit der Raumzeit und mit den vertrackt höheren Dimensionen beschäftigte. Eine ewig mühselige Passion, die vielleicht unsere Welt irgendwann mal erklären konnte, oder auch nicht. Ich arbeitete sogar an einer »quantendigitalen Zeitmaschine«. Und da beginnt das Problem. Mir muss beim Experimentieren wahrscheinlich ein schwerer Fehler unterlaufen sein. Es gab einen fürchterlichen Knall, mir wurde schwarz vor Augen, und als ich wieder aufwachte, lag ich mit Brummschädel vor einer Holzhütte am Waldesrand. Aus allen Richtungen vernahm ich ein vielstimmiges Konzert an Vogelgezwitscher. So etwas Schönes und Melodisches kannte ich nur dem Hörer-Archiv meiner Uni. Ich war wie berauscht. Ich richtete mich schließlich auf und als ich an der Hütte anklopfte, öffnete mir sofort ein kleinwüchsiger Sonderling die Tür und streckte mir gütig beide Arme entgegen. Ich erschrak bei seinem Anblick, denn »Er-Sie-Es«, ich wusste es nicht besser, hatte das Aussehen, das zur Hälfte einem grinsenden Mr. Burns aus »The Simpsons« entsprach und zur anderen Hälfte einem metallischen Bender aus »Futurama« ähnelte. Aber der Sonderling war sehr nett und zuvorkommend gewesen, sodass ich meinen Argwohn schnell ablegen konnte und ihm in die kleine Hütte folgte. Codi war sein Name und er erwartete anscheinend Gäste, da er gerade im Begriff war, einen langen Tisch einzudecken.

Als ich ihm dabei half, sagte er zu mir: »Da kommst du gerade richtig. Wir feiern heute den 100. Geburtstag von einem guten Freund. Mit dir wären wir dann 11 Personen am Tisch. Du und das Geburtstagskind dürfen natürlich an der Stirnseite des Tisches Platz nehmen und wir restlichen Sechs werden dann an den Längsseiten des Tisches sitzen. « - Als ich das hörte, musste ich mich fragend am Kopf kratzen. Hatte ich mich etwa verhört oder hatte mein Kopf beim schiefgelaufenen Experiment etwas abbekommen? Ich entschied mich für Letzteres und verteilte schweigsam die Servietten auf den Tisch. Codi durchbrach die Stille, indem er mich sanft antippte und fragte: »Schau mal! Ist das nicht ein schöner Kuchen? Den habe ich gebacken. Für jedes Lebensjahr eine Kerze. Hier auf dem Tisch kann er nun weiter abkühlen.« - Als ich das hörte, musste ich mich wiederholt fragend am Kopf kratzen, denn auf dem Kuchen befanden sich bei Weitem keine 100 Kerzen, eher die Hälfte davon. Ich wartete darauf, dass Codi noch einen zweiten Kuchen auftischen würde, denn ich sehnte mich nach Ordnung. Aber das geschah nicht. Jetzt war klar: Mein Kopf musste ziemlich gelitten haben. Definitiv!

Und dann erspähte ich ein abgegriffenes Buch im Schrank. Es war ein schmales Mathematikbuch, das ich dort herauszog und aufschlug. Wieder erschrak ich, als ich das Datum der Ausgabe zu lesen bekam. Es stammte tatsächlich aus dem Jahr 5163 n.Chr.! Nicht möglich! Ich schob das Buch mit zittrigen Händen an seinen alten Platz zurück, als Codi plötzlich seine blecherne Hand auf meine Schulter legte und fragte: »Möchtest du mich zur Wagnerei begleiten? Mein Fuhrwerk hat ein gebrochenes Rad, weil mein Pferd durchgegangen ist. Ein Neues muss her.« - Das Kopfkratzen wurde inzwischen zur Routine bei mir. Ich nickte grübelnd, aber ich verstand diese seltsame Welt nicht mehr. Ein Buch aus dem 6. Jahrtausend und dieser Sonderling faselte etwas über Fuhrwerkräder! Ich blickte nicht mehr durch und folgte ihm schweigend. – Als wir dann bei der Wagnerei ankamen, folgte prompt der nächste Schock. Codi sagte nämlich zum Werkstattmeister: »Ja, genauso wie beim letzten Mal. Denselben Durchmesser für die geschmiedete Eisenbereifung und auch wieder dieselbe Aufteilung: 10 Speichen im Winkelabstand von 102.3 Grad.« - Dieses Mal kratzte ich mich nicht mehr am Kopf, da ich schon eine wunde Stelle dort vermutete. Dennoch wuchs die Sorge über meinen geistigen Zustand ins Unermessliche. Meine Rechenkünste waren nicht zum Besten bestellt. Ich war erledigt.

Tieftraurig schlenderte ich Codi hinterher, als wir wieder zur kleinen Holzhütte zurückkehrten. Dort waren mittlerweile sämtliche Gäste und das Geburtstagkind eingetroffen und verspeisten die ersten Stücke vom Kuchen. Ich setzte mich ganz still an meinen Platz und verfolgte die seltsame Szenerie mit ihren bizarren Gestalten. Ich war in einer völlig anderen Welt unter konfus anmutenden Wichten mit asymmetrischem Körperbau. Alles was ich in diesem Sprachwirrwarr heraushörte, waren Begriffe einer Zeit, die längst vorbei war, denn sie ähnelten der Sprechweise der Romantik. Das war zu viel für mich. Ich zog mich immer mehr in mein Schneckenhaus zurück und trottete schließlich zum Bücherschrank hinüber, dort wo ich Stunden zuvor das Mathematikbuch entdeckt hatte. Ich zog es wieder heraus, um darin zu lesen. Dabei stieß ich auf ein Kapitel mit der Überschrift »Teilbarkeitsregeln«. Und jetzt zweifelte ich komplett an meinen Verstand. Denn dort stand wahrhaftig geschrieben:

Eine Zahl ist durch 2 bzw. 3 bzw. 6 teilbar,
wenn ihre Quersumme durch 2 bzw. 3 bzw. 6 teilbar ist.
Eine Zahl ist durch 4 bzw. 11 teilbar,
wenn ihre nichtalternierende 2er-Quersumme ohne Rest durch 4 bzw. 11 teilbar ist.
Eine Zahl ist durch 5 teilbar,
wenn ihre alternierende 2er-Quersumme ohne Rest durch 5 teilbar ist.
Zahlenpalindrome mit paarweise gespiegelten Ziffern sind immer durch 11 teilbar. ...

Just in dem Moment, da sich in meinem Kopf allmählich ein bestimmter Verdacht festigen wollte, wurde mir wieder schwarz vor Augen und ich wurde erneut ohnmächtig. Als ich wieder erwachte, lag ich auf dem Boden einer äußerst frugal ausgestatteten Holzhütte in der Nähe des mir bekannten Templiner Sees. Ein Duft von warmen und trockenen Douglasien lag in der Luft. Durch den Spalt der französischen Fenstertür drang ein Lichtschein ins Innere des Raumes und blendete mich schmerzhaft. Ich tastete mich entlang der hölzernen Wandvertäfelung bis ich endlich das Fenster erreichte. Ich drehte mich um und fragte mich: «Wo bin ich hier bloß wieder gelandet?» Alles war so sparsam eingerichtet und die Lichtschalter entsprachen primitivsten Bakelit-Drehknöpfen. Dann drehte ich mich wieder zum Fenster. Zum Glück sah ich draußen die geräuschlosen Fluber-Mietgleiter umherschweben und am tiefblauen Himmel die E-mobilisierten Personendrohnen vorbeiziehen, die nach den letzten drapondurischen Reformen wieder tagsüber fliegen durften, wenn die Tagestemperaturen unter 40° Celsius sanken. Zeit und Ort stimmten wieder. Und als ich in der Ferne ein antiquiertes Radio hörte, das nostalgisch über »99 Luftballons« trällerte, längst waren sie verpufft, war ich zugleich irritiert wie erfreut gewesen. Irgendwie hatte ich die Zahl Neun vermisst. Als danach noch ein Klassiker von Peter Maffay gespielt wurde, längst hatte man ihn vergessen, fand ich wortwörtlich Trost in einem Lied. Alles war plötzlich logisch und klar. – Tja, war das alles nur ein seltsamer Traum gewesen? Wer weiß? Eine Antwort darauf werde ich wahrscheinlich nie finden.

Stattdessen widmete ich mich ganz anderen Fragen, nämlich warum in der Räderwerkstatt eine große Tafel mit der Aufschrift »1015|221« zu sehen war und wie lautete bloß diese verdammte Teilbarkeitsregel für die Zahl »12« noch? Die hatte ich doch glatt vergessen. Vor allem wollte ich mir ein Fluber-on-Demand (FloD) allokieren, doch welche Adresse sollte ich auf die Schnelle angeben?

ENDE
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Zitat:
Original von Conny_1729
Eine Zahl ist durch 2 bzw. 3 bzw. 6 teilbar,
wenn ihre Quersumme durch 2 bzw. 3 bzw. 6 teilbar ist.
Eine Zahl ist durch 4 bzw. 11 teilbar,
wenn ihre nichtalternierende 2er-Quersumme ohne Rest durch 4 bzw. 11 teilbar ist.
Eine Zahl ist durch 5 teilbar,
wenn ihre alternierende 2er-Quersumme ohne Rest durch 5 teilbar ist.
Zahlenpalindrome mit paarweise gespiegelten Ziffern sind immer durch 11 teilbar. ...

Passt zum Stellenwertsystem zur Basis 7. Selbstredend ist dann Zahl 11 auch in diesem System zu verstehen (dezimal 8).


P.S.: Auf diese Weise kann ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. Allerdings bin ich schon so ermattet, dass ich zum Rest des Textes sagen muss: tl;dr Augenzwinkern
Steffen Bühler Auf diesen Beitrag antworten »

Ah, dann ist 1015|221 die Basis-7-Näherung für ...
HAL 9000 Auf diesen Beitrag antworten »

Hab jetzt doch zumindest noch den letzten Absatz gelesn:

Zitat:
Original von Conny_1729
und wie lautete bloß diese verdammte Teilbarkeitsregel für die Zahl »12« noch?


Antwort, basierend auf 1000 = 12 * 53 + 1 im 7er-System:

Eine Zahl ist durch 12 teilbar, wenn ihre nichtalternierende 3er-Quersumme ohne Rest durch 12 teilbar ist.
Conny_1729 Auf diesen Beitrag antworten »
RE: Numerale Phantasie-Welten
Zitat:
Original von Steffen Bühler
Ah, dann ist 1015|221 die Basis-7-Näherung für ...

Zitat:
Original von HAL 9000
Antwort, basierend auf 1000 = 12 * 53 + 1 im 7er-System:

Eine Zahl ist durch 12 teilbar, wenn ihre nichtalternierende 3er-Quersumme ohne Rest durch 12 teilbar ist.


Freude - genau.

Gruß Conny
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